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Klaus Krüger bat mich 2010, drei Jahre nach der Gründung, zum allerersten Verlegerinterview. Es hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich es nicht nur hierher verlinke, sondern vorher auch noch meinen eigenen Sermon dazupacke. Wer sich meinen Text sparen möchte, scrollt gleich ganz runter, alle anderen dürfen sich meine Gedanken zum Wieso-Weshalb-Warum antun.

So fing's an

Mai 2007 war es, als ich mein kleines, feines, erstes Buch Die Wagners bei BoD anbot und damit das finanzielle Polster für den nächsten Verlagstitel hereinholte. Heute würde ich die "Wagners" nicht mehr in dieser Form herausgeben. Damals wollte ich eigentlich nur mal ausprobieren, wie das so ist als Verlegerin. Was soll ich sagen? Es ist jedesmal so toll wie beim ersten Buch. Allerdings nicht nur aus nostalgischen Gründen gibt es die Wagners inzwischen als eBook zu kaufen, einfach auf den Link oben klicken ...

Die Druckausgaben der Verlagstitel erscheinen neben BoD auch bei LuLu.com/de, die eBook-Ausgaben finden sich bei Ebozon, LuLu.com und Soforthören.

Warum Verlag?

Klaus Krüger fragte, die Verwandtschaft fragt immer wieder, und auch mein Mann meinte anfangs: "Ja, braucht's denn noch einen Verlag?" Eigentlich nicht. Schon gar nicht, wenn man an die richtig großen Verlage denkt, die den nationalen Buchmarkt bestimmen und schon finanziell besser aufgestellt sind als jeder Klein(st)verlag, wie ich ihn betreibe.

Andererseits sind große Verlage noch mehr auf Umsatz angewiesen als ich. Wenn ich etwas ausprobiere, was gerade nicht gefragt ist, dann bricht mir nicht gleich ein ganzes Marktsegment weg, sondern es ist eine interessante Erfahrung. Oder es ergibt sich daraus das nächste Projekt. Allerdings ist es wichtig, Schriften "offiziell" zu publizieren, wenn man wahrgenommen werden will, und da ist die professionelle Plattform eines offiziell angemeldeten Verlages sehr hilfreich. (Ein bisschen Geltungsdrang sei uns Verlegern erlaubt!)

Welche Ziele?

Reich und berühmt werden - mit einem Kleinverlag?! Ja, ich gebe zu, anfangs hielt ich es für möglich. Wenn man es mit Familie und Freizeit unter einen Hut bringen kann, wird man wahrscheinlich irgendwann von einem Verlag leben können. Dazu ist allerdings auch eine gewisse Anzahl an Klonen erforderlich, die sich neben der Textarbeit um Autoren, Vertrieb, graphische Gestaltung, Werbung und Finanzamt kümmern. Und da unter der Masse an Arbeit irgendwann die Qualität gelitten hat, ist der Wunderwaldverlag für mich inzwischen ein tagesfüllendes, aber immer noch wunderbares Hobby.

Deshalb liegt mein Schwerpunkte auf der Entdeckung neuer Talente, die in die Szene hineinschnuppern wollen. Ganz wichtig ist für mich nach wie vor die Textqualität, zu der ich unten noch etwas sage.

Springt auch für Autoren etwas dabei heraus?

Wie schon geschrieben: Der Verlag ist ein großes Hobby-Projekt, was aber nicht bedeutet, dass man Großveranstaltungen wie z. B. die beiden wichtigsten Buchmessen in Deutschland ignoriert. 2009 und 2010 war ich mit einem kleinen Stand Ausstellerin in Leipzig und einmal 2009 in Frankfurt. (Und ich werde wieder fahren!) Ein paar Autoren habe ich bei "Leipzig liest" untergebracht, andere haben aufgrund der Messepräsenz auch wertvolle Kontakte knüpfen können.

Aber die Leipziger Messe ist nur eine Sache, die ein "frischer" Autor mitnehmen kann. Neben der Textarbeit mit allem, was dazugehört - Grammatik und all das trockene Zeug eben - erfährt der Autor eine Menge über den Literaturbetrieb. Unter Wissenswertes habe ich ein paar grundsätzliche Dinge erklärt. Die Feinheiten ergeben sich aus der Zusammenarbeit, und der geneigte Leser darf mir glauben, da gibt's eine Menge zu erfahren ...

Was wird verlegt?

Alles, was mir gefällt. Anfangs wollte ich im Stil der Wagners Kurzgeschichten und Anthologien herausgeben und habe mich bei den ersten Titeln auch daran gehalten. Dann bin ich auf den "Buchgeschmack" gekommen und habe schon bis zu 300 Seiten dicke Wälzer publiziert, mit mehr oder weniger Erfolg und auch mit unterschiedlicher Qualität.

Nach drei Jahren und viel Herumprobieren bin ich zu den Kurzgeschichten zurückgekehrt. Dicke Bücher von neuen Autoren wird es in diesem Maß nicht mehr geben, dafür aber die Serie Lit.Limbus, zu der man unter Ausschreibungen einiges findet.

Qualität - Qualität - Qualität

Auch wenn Autoren es nicht gerne hören: Wer schreiben kann, kann nicht automatisch schreiben. Literatur bedeutet nicht nur, einen Stift in der Hand halten zu können. Wer sich auf mich einlässt, muss mit Grammatikregeln und semantischen Diskussionen rechnen. Ich lasse nicht alles gelten, was mir als Literatur angeboten wird. Schreiben ist eine Form der Katharsis, die nach der Abreaktion in eine literarirsche Form für die Öffentlichkeit gebracht werden sollte. Und daraus können neben dem psychologischen Effekt auch wunderbare Texte entstehen. Kurz: Wir sind alle kleine Rowlinge, die ihren Harry noch entdecken wollen.

Manuskripteinsendungen

Manuskripte mit mehr als 50 Seiten haben bei mir keine Chance - ich bringe Kurzgeschichten heraus. Deshalb wünsche ich mir

- einen kurzen Überblick über Handlung und Personen

- ein ausführliches Exposé (max. 2 Seiten)

- eine kurze (!) Leseprobe à 4 Seiten DIN A 4, Arial Schriftgröße 10, Zeilenschaltung 1,5

- eine Bibliographie des Autors

- und eine Begründung, warum die Geschichte in mein Programm passt, ohne dass in Lobhudelei ausgebrochen wird. Also bitte schreibt nicht, dass meine Verlagsseite so schön ist oder dass man davon überzeugt ist, mit mir den nächsten Bestseller zu produzieren. Es gibt schönere Seiten als meine, und Bestseller, nun, dafür sind die großen Verlage zuständig.

Und hier das professionelle Interview mit Klaus Krüger in zwei Teilen.

Teil 1 | Teil 2